FERNSEHEN:

PHOENIX, 14.09.2007 – 02:10 Uhr
Teufel auf der Seidenstraße

Auf den Spuren Sven Hedins versuchte Marc Aurel Stein sein Glück in der Wüste. Der Schatzsucher ungarischer Abstammung war unterwegs, um Loulan, das Atlantis der Wüste, aufzuspüren. Er sollte nicht nur nach Schätzen suchen, sondern auch das fremde Land vermessen.

Film von Bernd Liebner und Cheng Wie (2001)

England und Russland rangen um die Vormachtstellung in Zentralasien. Dazu brauchten sie genaue Karten der unbekannten Regionen. Stein hatte wie viele andere zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Bücher Sven Hedins verschlungen. Als er 1888 in Lahore in den Schuldienst eintrat, lernte er dort den Vater Rudyard Kiplings kennen, von dem er viel über die Ikonographie Indiens und die buddhistische Kultur lernte. (Literaturnobelpreisträger Rudyard Kipling ist der Verfasser des welberühmten “Dschungelbuch”.) Funde von der alten Seidenstraße wie die Bower-Handschriften sowie die Entdeckungen Hedins gaben Stein die Argumente für eine Expedition in britischem Auftrag. Er begründete seinen Antrag damit, dass das alte buddhistische Kulturzentrum um Khotan seinem Ursprung nach zu Indien gehört. Damit gelangte der südliche Teil von Chinesisch-Turkestan zur britischen Einflusszone.

Im Mai 1900 begab sich Aurel Stein auf seine erste Reise. Stein verstand sich selbst als Forscher nicht als Abenteurer. Von Khotan aus gelangte er zu seiner ersten Ausgrabungsstätte, auf die schon Sven Hedin gestoßen war: Dandan-Uilik. Innerhalb kürzester Zeit ließ Stein 150 Fundstücke wie buddhistische Wandgemälde, Skulpturen und Stuckreliefs sichern und für die lange Reise ins Britische Museum verpacken. Auf seiner nächsten Station, der alten Ruinenstadt Niya, machte er ähnliche Beute. Als er den großen Stupa von Rawak fand, legten seine Männer dort 91 Figuren frei, von denen sie jedoch nicht alle mitnehmen konnten.

1906 wollte Stein ins Innerste der Takla Makan, um die versunkene Stadt Loulan zu suchen. Entlang der südlichen Route der Seidenstraße versuchte er den Ort aufzuspüren. Er kannte Hedins geographische Angaben, aber nicht den Weg. Die Reise war extrem gefährlich und ging nur sehr langsam voran. Mehr durch Zufall stieß die Mannschaft schließlich auf die “abgelegenste aller Stätten in der Wüste”. Neben zahlreichen chinesischen Dokumenten bargen die Leute auch Täfelchen mit altindischer Schrift. Loulan musste also auch Außenposten eines indischen Reiches gewesen sein. Stein ließ Schriftstücke von großem wissenschaftlichen Wert abtransportieren, die nun für die chinesische Forschung nicht mehr zur Verfügung stehen.

Sendetermin
Fr, 14.09.07, 02.10 Uhr
Mo, 17.09.07, 02.25 Uhr

Quelle: PHOENIX. Jäger verlorener Schätze

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