Reportage (taz.de)

“Georgien fast foward”
Ein Reisebericht von Katrin Röggla


LEIPZIG – Dramatiker aus dem Kaukasus haben Katrin Röggla in nach Georgien zu einem Treffen eingeladen. Zurück gebracht hat sie einen absurd anmutenden Bericht aus der Gegenwart Tbilisis, einer vom Westen weitgehend vergessenen Region. Aufgekratzte Beobachtungen schildert sie von einem Land, welches ihr im Vorfeld als kurios und merkwürdig dargelegt wurde. Sie brach dorthin auf mit Ahnungen von einer historischen Dimension, der sie jedoch nicht ohne weiteres gerecht werden konnte. Getroffen hat sie Zeitgeister, die ihr wunderliche Alltags-Blüten beschrieben, was alles so “wächst” in diesem Landstrich, auch unter der Einbeziehung geopolitischer Garden, die jedoch keineswegs diesen kaukasischen Lebensstil anzunehmen verstanden. NGO’s beispielsweise besitzen nicht einmal die nötigsten Vorraussetzungen, trotz allemführen sie dann ihre unangepassten Programme durch. Angedeutet hat sie das Theatralische solcher Veranstaltungen, und wohl keinen weiteren Gefallen daran gefunden.

Geflüchtet ist sie dann in die Geographie, um dem tieferen Verständnis dieser Mentalität einen materiellen Raum zu geben. Sie bemühte sich zu beschreiben, wo Georgien liegt: dem deutschen Leser soll das “geographische Knäuel” nahe gebracht werden.

Exemplarisch beschäftigte sie sich mit ihrem Aufenthaltsort Tbilisi und reduzierte ihre Beobachtungen auf geopolitische und geographische Indizien in diesem Areal. Anhand der Architektur zeigte sie die Kraftfelder in dieser Stadt. Es geht um G.W. Bush, dem eine Avenue vom renovierten Flughafen hinein in die Hauptstadt gewidmet ist – das wars aber auch schon, was die geopolitische Präsenz anhand der Urbanisierung der Amerikaner im Kaukasus betrifft. – Wirkt schon ein wenig lächerlich, abgesehen von der Präsenz des neuen Botschaftsgeländes und ein paar Plakaten mit dem Konterfei des Präsidenten.

Über den geographischen Raum der Stadt weiß sie dann schon mehr zu berichten. Herhalten als Zeugnisse müssen die Orientalischen Bäder, die städtische Armut, die verfallenen Holzhäuser und die Restaurants – also die Supras mit ihren Tamadas. Auch ist von den sogenannnten “frozen conflicts” die Rede. Erwähnt wird auch das kulturelle Crossover von Persern, Osmanen, Arabern, Russen – also die Geschichte. Da scheint es interessant zwei Ethnologen zu treffen, die einiges zu der Mentalität für unser kulturelles Verständnis beisteuern könnten…

Doch wieder schweift man ab zu den architektonischen Monumenten – zu zwei Oligarchen, die vis-a-vis sich mit ihren Bauprojekten ein öffentliches Stell-Dich-ein geben … Die Rede ist von einem modernen Glaspalast und von der neuen riesigen Kathedrale! Für den einen Leser könnte die sogenannte Modernisierung ein einziger Widerspruch bedeuten; für einen anderen Leser bedeutet dieses Leben weiterhin eine Rätsel – vielleicht ist das alles beinahe magisch: Worum geht es wohl in diesem Land? Was treiben die Menschen hier wirklich? Diese Frage scheint auch für Katrin Röggla noch nicht beantwortet zu sein. Aber als ein Freund des Theaters wird sie sicher auch Beeindruckendes mitgenommen haben, oder?
(Ralph Hälbig)

3. Alltag (Von Katrin Röggla)
Reisebericht in der taz.de
Georgien fast forward 21.08.2007 – Im Westen ist Georgien ein weitgehend unbekanntes Land – daran ändern auch die vielen NGOs in der Kaukasusrepublik nichts.

Kartvlis Deda – Georgian Mother

Uploaded on July 6, 2007 by Joe Coyle

Tbilisi (Set)

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