POST AUS TBILISSI:

Perlentaucher.de präsentiert die Fromme Boheme aus Tbilissi
Von Thekla Dannenberg
Quelle: Post aus Tiflis

Wenn Wato Tsereteli (hier ein Interview mit ihm) durch die Stadt führt, zeigt er weder Sehenswürdigkeiten noch offizielle Prachtbauten.

Zaza Lodia empfängt in seinem Haus im Stadtteil Zarbutalo, einer grünen Oase inmitten der Millionen-Stadt, deren Autos, Busse und LKWs keine Katalysatoren kennen. Und er tut dies mit der gewohnten kaukasischen Gastfreundschaft (“Der Gast kommt von Gott!”). Unter dem Quittenbaum werden Käse, Kirschen und eine Fünf-Liter-Flasche Weißwein aufgetischt. Lodia ist Kunstschmied, er arbeitet mit der alten Email-Kunst, deren Schmucksteine seit Jahrhunderten die georgischen Ikonen zieren.

Zu den ernüchterten Revolutionären gehört der Dichter Rati Amaglobeli. Gerade einmal 31 Jahre ist er alt und wird im ganzen Land verehrt. Er macht aus der schier unaussprechlichen Sprache, in der häufig sieben oder acht Konsonanten hintereinander gereiht werden, reine Musik, Rhythmus und Empfindsamkeit. Hölderlin ist sein Lieblingsdichter.

Das Geist der Freiheit ist verschwunden”, glaubt auch Aka Morchiladse, “das Gefühl, das eigene Leben selbst bestimmen zu können”. Dabei gibt es wohl kaum einen freieren Menschen in Georgien als diesen Schriftsteller. Auf Deutsch ist von ihm bisher nur das wahnwitzige, tragische und hochkomische Epos “Santa Esparanza” erschienen, in Georgien ist er ein Kultautor.

Als die Amerikaner 50 Millionen Dollar Verlust eingefahren hatten, gaben sie auf (Regisseur Paul Devlin hat darüber den Dokumentarfilm “Power Trip” gedreht). Inzwischen hat das russische Konsortium RAO das Netz übernommen, einen strategisch wichtigen Platz lassen sich russische Energiekonzerne bekanntlich etwas kosten. Der Strom kostet in Georgien inzwischen doppelt so viel wie in Deutschland.

Gori hat ihm 1951 in der Stalinstraße ein gewaltiges Museum errichtet, nicht gerade im pompösesten Sowjet-Klassizismus, eher in einer trüberen Provinz-Version.

Meka Khangoschwilis Familie lebt seit mehreren Generationen in Georgien.
Sie selbst ist Lehrerin und unterrichtet Tschetschenisch im Kaukasischen Haus, einer Organisation, die sich vorgenommen hat, innerhalb der verschiedenen Volksgruppen des Kaukasus zu vermitteln. Sie fungiert als eine Art Ombudsfrau
für die tschetschenischen Flüchtlinge.
Archiv Post aus Tiflis

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