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“Sudium generale” veröffentlichte ein Video über Tschetschenien

Dienstag, 10. Juli 2007 Tschetschenien – “die größte kriminelle Handlung unserer Zeit”

Ingo Bading hat einige Bemerkungen zu einem Video aus dem Herbst des letzten Jahr über Tschetschenien auf seinem Blog dargelegt. Seiner Meinung nach werden die Tschetschenen und ihre außerordentlich grauenvolle und leidvolle Geschichte während des 20. Jahrhunderts in diesem Film gegenwärtig ganz gut dargestellt…

An dem Film wird deutlich, wie ein zunächst eigentlich rein nationaler Freiheitskampf eines Volkes sehr bald religiöse Züge annimmt und im Angesicht einer drückenden russischen Übermacht und der Gleichgültigkeit von Seiten europäischer und US-amerikanischer Politik Anlehnung und Soldarität sucht in der übrigen islamischen Welt. Diese Verstärkung und Radikalisierung des Islams in Tschetschenien muß auch als eine Folge der Untätigkeit und Passivität des Westens gegenüber der Kriminalität der russischen Regierung angesehen
werden.

Die unangemessene islamische Propaganda … wird im Film nicht genügend herausgearbeitet, […] Der Film arbeitet nicht genügend heraus, daß die strengen islamgläubigen Strömungen im tschetschenischen Volk zur Zeit des Beginns der Unabhängigkeit Tschetscheniens noch nicht die vorherrschenden oder ausschlaggebenden Kräfte waren, sondern daß das tschetschenischen Volk durch die aktive russische und gleichgültige westliche Politik immer mehr in eine religiöse Polarisierung hineingetrieben wurde.


Jedenfalls ist zunehmend kaum zu unterscheiden, was das Video bezwecken soll. Eine kritisch, distanzierte Analyse ist der Beitrag keineswegs, was den Verdacht bemüht, ohne das ich mich genötigt fühle, rigoros Partei zu nehmen, dass die Produzenten die Problematik des Konfliktes in Tschetschenien prophagandistisch zuspitzen. Die Argumentation kommt äußerst flach und hausbacken daher – mich überzeugt der Film in mancher Hinsicht überhaupt nicht. Aufgeklärt werde ich nicht, denn die Gewissheit ihrer Sprache und und ihre schwangere Argumentation ist schließlich Mobiliserungs-Prophaganda, die eher an historische Wochenschauen oder auch an kommunistische Prophaganda erinnert.
Und: Videobotschaften sind meines Erachtens immer schon sekularisierte Spuren der Kommunikation. Sie als göttliche Botschaften anzusehen ist zumindest für mich eine fragwürdige Angelegenheit. Oder ist Gott in jeder Maschine? Diese Ansicht konnte sich auch nicht mit der Magie der frühen Photographie durchsetzen. Und dann hätten wir auch noch einen Polytheismus ungeahnten Ausmaßes …
Die kritische Selbstreflexion, auch was das Medium Video betrifft, bleibt außen vor. Und gerade das ist für mich äußerst problematisch. Da halte ich es wohl eher mit Frau Politkowskaja, die es sich bei der Unterscheidung zwischen gut und böse nicht so einfach machte – und von der Heroisierung gänzlich Abstand zu nehmen versuchte. Trotz des unvorstellbaren Leides – und das auf beiden Seiten – hat sie eben die Kontexte nicht annuliert. Sie bemühte sich uns nahezubringen, was Krieg alles bedeutet und bedeuten kann. Und davon habe ich in diesem Beitrag zu wenig mitbekommen.

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