MUSIK:

Freude, Stolz und viel Ekstase

ERISIONI in Köln
VON CHRISTIAN BOS, 24.06.07, 19:15h (Kölner Stadtanzeiger)

“Georgian singing, is in Georgians’ blood and without it Georgia will not exist” – Carl Linich

Leipzig: Hört man von Legen des Sturmes erinnert das vielleicht an Seefahrergeschichten, gefährlichen Abenteuern, Leidenschaften auf fernen Inseln, schmerzliche Abschiede, Ungeheuerlichkeiten. Heroische und beherrschte Gestalten sind dann die Akteure in den Überlieferungen … In “Legends Of The Storm”, wie das Programm von ERISIONI aus Georgien heißt, geht es auch um alte Geschichten, die bemüht werden, um der georgische Identität nach der Rosenrevolution ein Gesicht zu geben. Das kommt nicht von ungefähr, da Tanz und Musik auch in der Gegenwart der Georgier eine herausragende Rolle spielen – es ist der Treibstoff für ihren Motor – einem Aspekt ihrer kaukasischen Mentalität. Dabei spielen immer wieder existientielle Motive eine Rolle: die Liebe, die Leidenschaft, der Kampf, die Freundschaft, die Geburt, der Tod, die Treue und die Familie – Eigenschaften der Sippen aus den wilden Bergen …, wo das Freiheitsgefühl eben nicht unbändig ist.

Wenn man eines von den Frauen und Männern Erisonis, des nationalen georgischen Gesangs- und Tanzensembles lernen kann, dann dies: In der Kontrolle liegt die Ekstase. […] Das muss ja ein gerüttelt Maß an Disziplin und Selbstbeherrschung verlangen.

[…]

Natürlich ist „Legends of the Storm“ zuallererst eine Show, die einem möglichst großen Publikum gefallen will. Weshalb sie der französische Impressario Pascal Jourdan mit Lichtzauber und Projektionen, mit E-Bass und Schlagzeug für die westlichen Bühnen aufbereitet hat. Doch von seinem Charme – hier muss man Jourdan ein großes Kompliment machen – hat das georgische Ensemble dabei nichts verloren. „Legends“ ist keine Broadway-Produktion, kein in viele Truppen aufteilbares globales Show-Phänomen. „Legends“ zeigt Georgiens kulturelles Erbe – und dass sich dies mit ekstatischem Schwung vermitteln lässt, ist das Glück eines Landes, in dem Hunderte verschiedener Einflüsse eine ganz eigene Kultur hervorgebracht haben. Und das Verdienst der erstaunlichen Erisoni-Truppe und ihres künstlerischen Leiters Djemal Chkuaseli.

Andererseits sollte man gerade wegen der frenetischen Reaktionen sich nicht beirren lassen, seinen Blick mit diesem Geschichtsbild zu verschränken. Meines Erachtens übersteigt das kulturelle Erbe Georgiens bei weitem das, was man von solch einer Show mitnehmen kann. (Ralph Hälbig)

Der ganze Text: Freude, Stolz und viel Ekstase

Video: Erisioni – Behind the Stage

Video: ERISIONI: SALAMURI

Musik: Erisioni Mp3 Download


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