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Frühling in Grosnyj
Tschetschenien erlebt eine bizarre Nachkriegszeit: Unter dem neuen Präsidenten Ramsan Kadyrow, dem Freund Putins, entstehen gleißende Boulevards mit Cafés. Doch die meisten hausen in Ruinen. Die Garde des Präsidenten terrorisiert die Bevölkerung.
Von Andrea Jeska

Als in Tschetscheniens Hauptstadt Grosnyj dieser Winter zu Ende ging, blühten in der Stadt zum ersten Mal seit 13 Jahren Narzissen und Tulpen. In frisch angelegten Beeten, links und rechts der neuen Flanierwege für Fußgänger, schoss es weiß, gelb, rot empor, und tatsächlich sah man Frauen, die niederknieten und die Blüten mit Staunen berührten.

Am Mittag saßen auf den Bänken russische Soldaten neben tschetschenischen Polizisten, die hielten ihre Waffen zwischen den Knien, als gäbe es nichts mehr zu schießen, und gafften den Frauen auf ihren Stilettostiefeln hinterher. »Mädchen, willst du mich heiraten?«, riefen sie und lachten, wenn das kokette Klack-Klack der Stiefel eiliger wurde. Von den Häuserwänden sah der neue Präsident Ramsan Kadyrow auf die Stadt herab, in seinem Kindergesicht sprossen blonde Barthaare, seine kaukasische Nase war ein halbes Stockwerk hoch. Hinter das Präsidentenbild hatte man eine brandneue Skyline montiert, die so retro wirkte wie aus einem Science-Fiction-Film der sechziger Jahre. Darunter hatte jemand geschrieben: »Ramsan, wir danken dir«.

Es ist aber kein Film.

Der ganze Text: http://zeus.zeit.de/text/2007/18/Tschetschenien


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