Ausstellung des Malers Gerhard Richter in Tbilisi
Gerhard Richter: Übersicht/Survey
(Eine Ausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen durch das Goethe-Institut Tbilissi und das Georgische Nationalmuseum)

ifa-Ausstellung
Eröffnung 19.4., 18 Uhr
Historisches Museum der Stadt Tbilissi (Caravanserai)

Gerhard Richter zählt neben Sigmar Polke und Georg Baselitz zu den drei derzeit international bekanntesten deutschen Künstlern. Das Institut für Auslandsbeziehungen zeigt in einer monografischen Ausstellung sein Werk in 27 beispielhaften Arbeiten. Die vom Künstler selbst getroffene Auswahl kann als Retrospektive in nuce gelten: Denn sie gibt Einblick in alle Phasen von Richters Schaffen, von der Fotomalerei der 60er bis zu den abstrakten Gemälden der 80er und 90er Jahre.
Seine Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte findet sich in der ifa-Ausstellung genauso wie eine Erinnerung an Richters 1999 entstandenen Beitrag “Schwarz-Rot-Gold” zur Ausgestaltung des Bundestags im Reichstag in Berlin. Gerhard Richters großes und einziges Thema hinter den verschiedenen Motiven, Stilhaltungen und kunsthistorischen Zitaten ist letzten Endes die Malerei selbst, deren Sprache und Mittel er in den so heterogen erscheinenden Werkphasen immer wieder aufs Neue befragt. Darin spiegelt sich sein Misstrauen gegen stilistische ebenso wie gegen inhaltliche Bindungen in der Kunst, ein Misstrauen, das in seiner persönlichen Biografie gründet.
Mit der Übersiedelung im Jahre 1961 von Dresden nach Düsseldorf wechselt Gerhard Richter nicht nur das soziale und politische, sondern auch das künstlerische Umfeld. Er tauscht die Tradition der Malerei des sozialistischen Realismus der DDR in Düsseldorf gegen die Auseinandersetzung mit der späten informellen Malerei und der beginnenden Pop Art ein. Aus diesem Wechsel bleibt ihm ein Zweifel gegen jede Gewissheit und Festlegung in der Kunst: “Ich verfolge keine Absichten, kein System, keine Richtung. Ich habe kein Programm, keinen Stil, kein Anliegen”, formuliert er 1966.
Der Künstler versteht Malerei als Handlung, als Suche nach der Wirklichkeit von heute: “Also das, was ich oft als mein Manko ansah, dass ich nicht in der Lage war, ein ‘Bild zu schaffen’, ist nicht Unfähigkeit, sondern instinktives Bemühen um eine modernere Wahrheit, die wir bereits leben (Leben ist nicht das Gesagte, sondern das Sagen, nicht das Bild, sondern das Bilden)” (3.11.89). Als Vergleichsfolie für die Malerei nutzt Gerhard Richter ihre Gegenspielerin in der Wirklichkeitsdarstellung, die Fotografie. 1962 nahm er erstmals eine Fotografie als Ausgangspunkt für Malerei. Seither sammelt er systematisch Fotografien als Malvorlagen für seine Gemälde. So entstand ein Archiv von privaten und öffentlichen Bildern von 1945 bis heute, bestehend aus Zeitungsfotos, Schnappschüssen von Amateuren und selbstgemachten Fotos, das unter dem Titel “Atlas” 1972 zum ersten Mal ausgestellt wurde. Aus diesem Bildervorrat wählt Gerhard Richter seine Motive, die er vergrößert oder auch nur im Ausschnitt in seinen Gemälden abbildet. Durch die präzise Wiedergabe der fotografischen Unschärfe weist das Bild auf seine Herkunft aus der Lichtbildtechnik und seinen Ursprung aus der banalen Bilderwelt der Massenmedien oder der Amateurfotografie zurück. Der Anlass der Malerei bleibt nur noch vage zu erkennen, indem Richter in der Übersetzung von Fotografie in Malerei die Farben auf Grauwerte reduziert. Dadurch löst er die Malerei vom Gegenstand, der Ende der 60er Jahre in den “Grauen Bildern” auch völlig in der Farbe Grau – für Richter die Farbe des Indifferenten und des Nichts – verschwindet. Später kehrt der Künstler wieder zur Farbe zurück und findet in den abstrakten Bildern der 80er Jahre zu einer komplexen Schichtenmalerei.

Zur Ausstellung liegt ein Katalog vor.

Quelle: Goethe-Institut in Tbilisi
Begleitprogramm zur ifa-Ausstellung: Gerhard Richter/Übersicht
(19.04.-19.05.2007)
Eröffnung 19.4., 18 Uhr
Historisches Museum der Stadt Tbilissi (Caravanserai)

18.04. 2007, 18.00 Uhr
Vortrag „Gerhard Richter. Erster Blick” von Dietmar Elger (Kunstwissenschaftler)
im Veranstaltungssaal des Simon Janashia Museum des Georgischen Nationalmuseum. Shota Rustaveliprospekt N 3
Dietmar Elger: 1984-1985 Sekretär bei Gerhard Richter
Seit 2006 Leiter des Gerhard Richter Archivs an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Autor (u.a.): Gerhard Richter, Maler (Köln,2002)

anschließend Filmvorführung:
Meine Bilder sind klüger als ich. Gerhard Richter (NDR / 1992)
(Zum 75. Geburtstag von Gerhard Richter) mit Synchronübersetzung
Der Film wird in OT (deutsch) am 25.04.2007, um 19.00 Uhr im Goethe-Institut wiederholt!

Uwe Rieken/Institutsleiter
Goethe-Institut Tbilissi
Sandukeli 16
0108 Tbilisi/Georgien
Tel: +995 32 938945/920154/933178

direkt: +995 32 921943
Fax +995 32 934568
URL:
http://www.goethe.de/tbilissi
Deutsche in Georgien: http://www.goethe.de/georgica
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