TRAUM VON EINER EINGESCHLAFENEN SAMMLUNG

Nach 14 Jahren eröffnet zum ersten mal das Armenische Museum in Frankreich seine Pforten wieder
(Beitrag aus dem französischen Magazin Nouvelles d Armenie, Nachrichten aus Armenien, Nr. 128/2007 von Manuelle Tilly)

Übersetzt von Dr. Katharina Berndt

“Ich war 14 Jahre lang der Bewacher eines Tempels”, erzählt Frederic Fringhian, Präsident des Armenischen Museums in Frankreich. “Ich lief regelmäßig durch seine leisen und obskuren Säle und verspürte den geheimen Wunsch, dies alles eines Tages wieder aufleben zu lassen.” Dieser Tag ist nun gekommen! Nach 14 Jahren Tiefschlaf öffnet das Armenische Museum in Frankreich erneut seine Pforten. Bis zum 22. April gibt es eine Exposition mit dem Titel “Die Wege Armeniens” mit Werken aus fünf Jahrhunderten, die einen Überblick über die Kunst und Kultur Armeniens verschaffen.

Das sind Objekte aus Urartu vom 1. Jahrtausend vor Christus, Keramiken aus Kutajya, byzantinische Münzen, alte Handschriften, wertvolle religiöse Kultgegenstände, aber auch Werke der Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts, bis hin zu Edgar Chahin, Jansem, Zakar Zakarian oder Aivazovski und den Plastiken von Leon Mouradoff oder Agop Gurdjian.

Ein schönes Erbe
Diese dreihundert Jahre Schöpfertum repräsentierenden Werke erblicken das Licht der Öffentlichkeit anlässlich des Jahres Armeniens in Frankreich. Circa 30 Exponate wurden für diverse Museen vorbereitet und werden in den Ausstellungen “Armenia Sacre” im Louvre oder “Aivazovski, die Poesie des Meeres” im Marine-Museum gezeigt. Frederic Fringhian wünscht sich dabei nur eines: dass dem Museum “wieder Leben eingehaucht wird und die Neugier des Publikums für die armenische Kultur wiedererweckt wird.”

Die ausgestellten Werke stammen aus den Privatsammlungen einiger Armenier, wie z.B. Nouhan Fringhian, dem Gründungspräsidenten. Angesichts der ungewissen Zukunft ihres Heimatlandes werden diese Werke nun der Allgemeinheit hier vorgestellt, damit sie von der Kultur des Ursprungslandes Zeugnis ablegen. 1953 nahm das Museum erste Formen an und wurde in der Avenue Foch 59 im Erdgeschoss eines tyischen Pariser Bürgerhauses eingerichtet. Mit dem Ableben von Nourhan Fringhian im Jahre 1994 allerdings war das Museum gewzungen aufgrund von Sicherheitsbedenken seine Türen wieder zu schließen. Frederic Fringhian, der Nourhans Sohn ist, übernahm nun den Präsidentenposten. Die Kredite allerdings, die vom Kulturministerium bewilligt wurden, wurden voll und ganz von den Renovierungsarbeiten im Museum Guimet verschlungen, so dass die Werke des armenischen Museums von Frankreich in einen Tiefschlaf fallen mussten.

Für ein eigenständiges Museum
Auf Initiative des Ministeriums und auch dank der Bemühungen der Leitung des Armenischen Museums in Frankreich sind jetzt die letzten Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen und das Publikum kann die Reichtümer des Museums wieder neu für sich entdecken.

Für die wenigen Wochen der Exposition, die im übrigen wissenschaftlich begleitet wird durch Professor Jean-Pierre Mahe, Mitglied des Instituts, und unterstützt wird von Edda Vardanyan, Doktor der Kunstgeschichte und Kommisarin der Ausstellung, wurden die Hauptwerke der Sammlungen ausgesucht. “Ich bin der Kapitän einer Schiffsmannschaft, die aufopferungsvoll mitarbeitet, aber über keine finanziellen Mittel verfügt, um das Museum an einem autonomen Ort rentabel betreiben zu können”, bestätigt Frederic Fringhian. “Ich würde gerne Sponsoren oder Investoren finden, die dem Museum Mittel zur Verfügung stellen möchten, um diese kulturelle Mission für die zukünftigen Generationen sicherzustellen”, erklärt er.

Der Kapitän betrachtet die Dinge immer im Großen. Räumlichkeiten im Zentrum von Paris. Und neben dem Museum ein kleiner modulierbarer zeitweiliger Ausstellungssaal, der mit der Zeit auch für moderne Kunst genutzt werden könnte oder als Bibliothek, eventuell ein armenisches Restaurant und ein Zentrum für wissenschaftliche Studien, das sich der Komplexheit der armenischen Zivilisation widmet und den Mischformen mit angrenzenden Kulturen. In einem Wort: “Ein Museum von gestern, heute und morgen”, resümiert Frederic Fringhian.

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Musee armenien de France
59 avenue Foch
75016 Paris
Tel.: 06.79.94.74.89
Öffnungszeiten
Mittwochs bis Sonntags von 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei


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