Arkadi Babtschenko
Die Farbe des Krieges

Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2006

ISBN 387134558X, Gebunden, 256 Seiten, 17,90 EUR
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Aus dem Russischen von Olaf Kühl. Mit neunzehn Jahren wird ein russischer Soldat aus Moskau nach Tschetschenien versetzt. Als “Frischlinge” ziehen die Rekruten in die Berge, um zu kämpfen. Wie alte Männer kehren sie zurück, verroht und stumpf. “Ich habe immer geglaubt, der Krieg sei schwarzweiß”, schreibt Arkadi Babtschenko, der diesen Krieg aus eigener Erfahrung kennt. Doch die Farben, merkt er bald, verschwinden nicht, und die Dinge, die geschehen, sind real: Die Leichen der ans Kreuz genagelten Soldaten. Der Kamerad, der von den Rädern eines Panzerwagens überrollt wird, und gleich daneben treiben Bäume junges Grün. Vermummte Gestalten irren auf den Straßen Grosnys umher und werden unter Beschuss genommen – bis sich herausstellt, es sind russische Mütter auf der Suche nach ihren toten Söhnen.
Solche Bilder haben Babtschenko auch später, zurück in Moskau, nicht mehr losgelassen. Um ihren Bann zu brechen, hat die von Hass und Grausamkeit beherrschte Welt geschildert – mit einer Eindringlichkeit und Präzision, wie man sie sonst nur aus Texten wie der “Reiterarmee” von Isaak Babel kennt.
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Rezensionsnotiz – Süddeutsche Zeitung, 23.01.2007

Arkadi Babtschenkos
Buch über den Tschetschenienkrieg ist Rezensentin Sonja Zerki recht nahe gegangen. Sie sieht darin mehr als nur eine Ergänzung der mutigen Arbeit der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja, die diesen barbarischen Krieg präzise dokumentiert hat. Im Unterschied zur Politkowskajas Buch überzeugt sie Babtschenkos Buch auch literarisch. “Die Farbe des Krieges” könne sich locker mit den großen literarischen Zeugnissen aus anderen Kriegen messen, etwa mit Michael HerrsDispatches” oder mit RemarquesIm Westen nichts Neues“. Beeindruckt hat sie vor allem die “atemberaubende visuelle Kraft” des Autors, die sie an Isaak Babels Werke erinnert. Selten hat sie so nüchterne und zugleich eindringliche Schilderungen der Grausamkeiten des Krieges gelesen, wie sie der als Achtzehnjähriger im ersten Tschetschenien-Krieg eingesetzte Babtschenko liefert. Besonders die Beschreibung der katastrophalen Zustände in der russischen Armee, in der auch in Friedenszeiten gefoltert und getötet werde, die im Krieg mit sich selbst leben, scheint ihr nur schwer erträglich.
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Source: http://www.perlentaucher.de/buch/26240.html

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