Verleihung der Goethe-Medaille

Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, verlieh die diesjährigen Goethe-Medaillen an die Dramaturgin und Übersetzerin Vera San Payo de Lemos (Portugal), an den Schriftsteller und Philosophen Giwi Margwelaschwili (Deutschland/Georgien) und an den Schriftsteller und Lyriker SAID (Deutschland/Iran). Mit der Goethe-Medaille, die als offizieller Orden der Bundesrepublik anerkannt ist, zeichnet das Goethe-Institut herausragende Persönlichkeiten für ihr besonderes Engagement im internationalen Kulturdialog aus.

Vera San Payo de Lemos wurde für ihre Vermittlung deutschsprachiger Literatur und für ihren Einsatz für das deutschsprachige Theater in Portugal geehrt. Durch ihre umfassenden literaturwissenschaftlichen Kenntnisse sowie ihr Gespür für die Vermittlung dramatischer Inhalte ist es ihr gelungen, der portugiesischen Öffentlichkeit und Fachwelt die zeitgenössische deutsche Dramatik näher zu bringen. Laudator João Barrento, Essayist, Übersetzer und Professor für Germanistik und Komparatistik, betonte Lemos’ „entscheidende Rolle als Vermittlerin von Autoren aus dem deutschsprachigen Raum“. Mit ihrer „bahnbrechenden Arbeit“ habe sie „den innovativen Rahmen für ein völlig anders geartetes Bewusstsein der Theaterpraxis in Portugal“ gesetzt.

Giwi Margwelaschwili (zweiter von links) wurde für sein Leben und sein literarisches Werk ausgezeichnet, das beispielhaft für Künstler steht, die sich im Exil für die verbindende Kraft der Literatur engagieren. Der Sohn georgischer Einwanderer, dessen Vater im Gulag umkam und der selbst ins Internierungslager Sachsenhausen verschleppt worden war, hat durch sein künstlerisches Schaffen aktiv zur Verständigung zwischen Georgien und Deutschland beigetragen. „Für Giwi Margwelaschwili, den das ‚Unglück der umgekehrten Emigration’ beugte, aber nicht brach, war die deutsche Sprache eine Zuflucht und die sich stapelnden Manuskripte eine stumme, weil unveröffentlichte Auflehnung gegen das beherrschende Thema“, so der Laudator Christian Bode, Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, über den Geehrten.

SAID, den Schriftsteller, Lyriker und ehemaligen PEN-Präsidenten, ehrt das Goethe-Institut gleichermaßen für seine Vermittlerrolle in den Beziehungen zwischen Deutschland und Iran wie für seinen unverwechselbaren und bereichernden Beitrag zur Formensprache in der deutschen Literatur. Als „Seiltänzer zwischen zwei Kulturen“ beschreibt ihn der Übersetzer, Lyriker und Leiter der Berliner Festspiele, Joachim Sartorius in seiner Laudatio. „Das Leben des Exilanten besteht aus Sehnsüchten, zermürbenden Rückschlägen, irrationalen Hoffnungen. SAID hat in vielen seiner Bücher – durch das Prisma der eigenen Geschichte – sich unerschrocken den brennenden Problemen unserer Zeit gestellt“, so Sartorius. Als „Brückenbauer“ und „unbestechlicher Chronist“ lege er mit „großer Fabulierlust“, „grenzenloser Phantasie“ und viel „Sprachsensibilität den Finger auf die Schnittstellen, die Wunden, die Konflikte unserer Welt“.

Die Festrede zur Verleihung der Goethe-Medaille 2006 widmete die Theologin und ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Antje Vollmer, dem Thema „Goethe und das Theater“. Dabei erinnerte sie an die soziale und politische Dimension des Theaters: „In der gegenwärtigen Epoche der drohenden Kulturkämpfe, Zivilisationsbrüche und Religionskriege wäre es ein kultureller und politischer Irrsinn, ein solches Theater mit seiner Funktion für das Gemeinwesen nicht mehr zu verstehen oder gar seine Existenz zu riskieren.“ Das zeitgenössische Theater, das sich aktuell in einer schwierigen Situation befinde, könne von den drei mit der Goethe-Medaille ausgezeichneten Persönlichkeiten profitieren: „Unsere Preisträger können uns allemal helfen, wieder den Blick von außen auf unsere Theaterlandschaft und unsere Sprache zu werfen. Genau genommen ist das etwas, was sich gut von Goethe lernen lässt: Wage den Blick von außen auf dein Land und seine Tradition!“ Weitere Informationen zur Verleihung der Goethe-Medaille 2006 unter:


www.goethe.de/goethe-medaille

http://georgien.blogspot.com/2006/01/goethe-medaille-fr-giwi.html

Uwe Rieken/Institutsleiter

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