CAUCASUS COOPERATION PROJECT (Switzerland)

BILDBAND ÜBER GEORGIEN – EIN LÄNGERFRISTIGER TRAUM

Saskia Peerdeman / Hada befasst sich momentan mit der konzeptuellen Arbeit zu einem Bildband über Georgien. Noch sind Finanzierung, Zeitplan und Umfang nicht gesichert, doch haben schon einige CCP Mitglieder ihr Interesse an der Realisierung von Wort und Bild bekundet. Saskia freut sich auch über Rückmeldungen Ihrerseits.

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News
2005-12-18: The fourth
newsletter of 2005 is online.
2005-11-14: The
newsletter (3/05) has been published right now.
2005-08-13: The
second newsletter in 2005 is out now.
2005-08-13: We are looking for participants for the “Autumn Training Course 2005″ in Switzerland. See the
Application Form in the “Documentation” section for details.
2005-04-18: The latest
Newsletter (April 2005) is available now (German only).
2005-04-11: A new release of the
project documentation is online.
2005-03-16: A
Links section has been added to the site. The Ochopintre News are finally online

LITERATUR

“Ein erfundenes Land – Georgien” Clemens Eich hat Georgien in den Jahren1996 und 1997 verschiedene Male für längere Zeit besucht. Aus seinen Tagebuch Aufzeichnungen ist ein Werk entstanden, das aus verschiedenen kurzen Texten und einer Reihe Fragmenten besteht. Mit messerscharfer Beobachtungsgabe zeichnet er ein eindrückliches Bild eines Landes voller Widersprüche und Absurditäten.
Hin und her gerissen zwischen Asien und Europa, zwischen historischer Grösse und wirtschaftlich-politischem Abgrund…
Doch dieses Buch ist kein Katastrophenbericht. Immer wieder bricht ein unerwarteter Humor durch, der zeigt, dass sich die Georgier nie unterkriegen lassen. Auch nicht von den widerlichsten wirtschaftlichen Umständen, nicht von Tagelangen Strom- und Gasunterbrüchen, und auch nicht, wenn die Vorstellung,
was Georgien sein könnte, nicht mit dem übereinstimmt, was ist.
„Wir müssen Optimisten sein“ (14jähriges Mädchen) Die Georgier laufen verkleidet herum, mit einer anderen Geschichte im Kopf, als ihre Kleider erzählen.
Man sagt nicht, dass man arm ist. Man sagt, man hat kein Geld. Klingt viel besser.
Die Aufzeichnungen aus Georgien sind nicht etwa ein simpler Reisebericht. Eich schaffte es, in einer unheimlich dichten Sprache die ganze Spannung, welche das postsowjetische Georgien in diesen Jahren prägte, auszudrücken. Dabei überschneidet sich diese Spannung mit Eichs eigener inneren Gespanntheit. So verweben sich in den Aufzeichnungen die Begegnung des Autors mit dem Land Georgien – und die Begegnung
des Autors mit sich selbst.
Der fremde Gast. Mit Hochherzigkeit empfangen, kann er seine eigene Fremdheit nicht abschütteln. Inmitten von Fremden und Fremdem wird er sich selbst fremd. Dieses Fremdsein hat ihn wohl bis in seine eigentliche Heimat begleitet. Am 22. Februar 1998 starb Clemens Eich 34jährig an den Folgen eines nie vollständig aufgeklärten Unfalls in Wien. Das Buchprojekt wurde deshalb nie abgeschlossen und liegt uns in dieser
fragmentarischen Form vor. Es ist ein Buch, welches Grenzen auslotet und überschreitet, sich über sie hinwegsetzt. Gerade deshalb erzählt es uns viel mehr über Georgien und die Georgier, als es vielleicht in einem
ausgefeilten Text möglich gewesen wäre.

Clemens Eich, Aufzeichnungen aus Georgien. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag, 1999.

67 Jahre bevor Eichs Aufzeichnungen erschienen, brachte der Insel Verlag ein kleines Büchlein von Grigol Robakidze heraus. Es enthielt, wie sein Name schon sagt, drei Kaukasische Novellen.
Robakidze, in der ersten Zeit unter dem Kommunismus nach Deutschland geflohen, widmete sich in seinen Büchern immer wieder den mythischen und mystischen Wurzeln der „Kartveloba“, des Georgiertums, sowie deren Auseinandersetzung mit der Moderne. Sein Roman Die gemordete Seele – 1933 in Leipzig in deutscher Sprache erschienen – thematisiert das Aufeinanderprallen der archaischen Erdverbundenheit des georgischen Volkes mit dem rationalen, totalitären Sowjetsystem.
Um den selben Grundgedanken dreht sich auch die erste Novelle im hier besprochenen Buch. Die Ich-Figur, ein Dolmetscher, begleitet die Expedition eines sowjetischen Filmteamsin die abgeschiedenen Täler Chewsuriens.
Es soll ein Film gedreht werden über die Lebensweise der lokalen Bevölkerung. Doch während er sich selbst zu Beginn als Teil der modernen Welt versteht, die ein rätselhaftes Bergvolk erschliessen und erforschen will, beginnen sich schon kurz nach der Ankunft im Dorf die Grenzens zu verwischen.
Die Ich-Figur entdeckt ihre Verbundenheit mit den Chewsuriern. Er taucht ein in ihre urtümliche Welt der jahrtausendealten Riten, begegnet ihren und wird sich immer mehr seinen eigentlichen Wurzeln bewusst.
Nach und nach wird der Dolmetscher Teil der dörflichen Gesellschaft, während das Filmteam weiterhin ein Fremdkörper darstellt. Er aber entdeckt die geheimnisvollen Bande, welche ihn mit Mgelika, einen Blutsbruder, verbinden und lernt die seine platonische Liebe zu Msekhala kennen.
Ich sammelte Kraft in mir, um die Trennung von Msekhala und den Abschied von Mgelika ertragen zu können. Mgelika gab uns fast bis zur Grenze von Chewsurien das Geleit. Dann mussten wir Abschied nehmen. Wir stiegen von den Pferden. Mgelika nahm das Schwert mit dem Stempel des Wolfes ab und machte es mir zum Geschenk. Wir küssten einander. Auch meine Reisegefährten verabschiedeten sich freundschaftlich von ihm. Mgelika glühte.
Ich hatte das Gefühl, als risse sich etwas Untergründiges, das in mir lebte, von mir los. Ich wurde schwach, aber das mir geschenkte Schwert schien mir Kraft zu verleihen. [...] Ich schaute zurück, aber wir waren schon um die Biegung herum. Sollte ich umkehren und noch einen letzten Blick auf Mgelika werfen?
Aber das hätte mich am Boden festgenagelt, ich wusste es. Und wir ritten weiter. Noch einige Male ertönte Mgelikas Ruf, furchtbar jetzt, ein wilder Jammerschrei. Dann – als ob etwas gerissen und erstorben wäre, senkte sich Schweigen nieder, schweres, düsteres Schweigen.
Robakizdes Sprache ist üppig und eindringlich. Er malt oft mit intensiven und düsteren Farben und zieht den Leser selbst immer weiter hinein in die Auseinandersetzung zwischen dem Gestern, das im Heute fortlebt
und –leben soll und der Zukunft, welche nur scheinbar die Oberhand über die Vergangenheit nimmt. Auch wenn seine Romanfiguren oftmals an dieser Spannung zerbrechen, ist Robakidzes Botschaft doch klar: ohne die Vergangenheit kann es keine Zukunft geben. Das Morgen lebt von der Geschichte, welche den Menschen bis tief in seine Existenz hinein prägt.
Grigol Robakidze, Kaukasische Novellen. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, 1979.

Weit in die Vergangenheit reicht auch das dritte Buch, welches hier vorgestellt werden soll. Der Mann im Pantherfell von Schota Rustaweli ist wohl das im Ausland am bekannteste Buch eines georgischen Schriftstellers.
In Georgien gehört das Epos aus dem zwölften Jahrhundert zum Kurrikulum jeder Schule. Jeder Georgier kann mindestens die Anfangsstrophen auswendig. Es erzählt die Geschichte des Helden Tariel, den eine unbändige Liebe mit der schönen Nestan Dareschan verbindet, der aber wegen seinem Mord am Verlobten
Nestans am königlichen Hof in die Einöde flieht und dort ein tiergleiches Leben führt. Awtandil, in Tinatin verliebt, zieht aus, Tariel zu finden, denn dies ist die Bedingung Tinatins, damit sie in eine Heirat mit Awtandil
einwilligt. Awtandil und Tariel werden Brüder, und können so, kraft der Liebe, alle Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, überwinden und schliesslich ihre Geliebten heiraten. Wie schon vorhin bei Robakidzes Erzählung erwähnt, spielt auch in diesem Buch die Freundschaft eine herausragende Rolle. Der Liebe gleichgesetzt, wenn nicht sogar überlegen, ist sie das Grundthema des ganzen Epos’.
Tariel trat ihm [Awtandil] entgegen. Sie waren alle beide würdig, der Sonne verglichen zu werden oder dem Monde, der vom wolkenlosen Himmel seine Strahlen herabgiesst auf das Land in der Tiefe. Vor diesem Anblick wurde auch ein Zypressenbaum zu nichts, ja, sie gemahnten an die sieben Planeten, was anderem könnte ich sie noch vergleichen?
Sie küssten einander und begegneten sich ohne Scheu, obwohl sie sich fremd waren. Die Rose entfaltete sich, zwischen den Lippen strahlten weiss die Zähne. Sie hielten sich umfasst, und Tränen stürzten aus ihren Augen. Ihr Antlitz, einst Hyazinth und gar Rubinen zu vergleichen, war blass wie Bernstein geworden.
Sie kamen wieder zu sich, der Ritter fasste Awtandil bei der Hand, und gemeinsam setzten sie sich nieder, stets noch zutiefst bewegt. Mit wunderbaren Worten half Asmat [Schwester Tariels] ihren Seelen, sich zu
fassen: „Richtet euch nicht zugrunde, lasst nicht die Sonne sich verfinstern durch eure eigene Düsternis.“
Tariels Rose war nur von Reif bedeckt und nicht erfroren. Er fragte Awtandil: „Mich drängt es nun, dein Geheimnis zu erfahren. Wer bist du, woher kommst du, wo liegt deine Heimat und wohin des Weges? Von mir ist nur zu sagen, dass mich der Tod vergessen hat, selbst er hat mich verlassen.“
Obwohl die ursprüngliche Form in Versen verfasst wurde, ist die hervorragend übersetzte und sorgfältig editierte deutsche Ausgabe in Prosa erschienen. Dies schmälert aber das Leseerlebnis in keiner Weise. Ruth
Neukomm
, welche zahlreiche Werke aus dem Georgischen in Deutsche übersetzt hat, gelang es, den Puls der Geschichte wiederzugeben.
Zwischendrin zeugen 12 farbige und 14 schwarzweisse Bildtafeln von Mamuka Tawakaraschwili (1646) vom reichen kulturellen Leben das zu jener Zeit in Georgien herrschte. Nachdem Georgien unter dem König Davit Achmaschenebeli die grösste territoriale Ausdehnung erreichte, ermöglichte seine Enkelin, Königin Tamar, die Entwicklung der Künste und der Wissenschaft. Tamar prägte so das goldene Zeitalter Georgiens. Und noch heute ziert ihr Bildnis die 50 Lari Scheine. Schota Rustaweli war eine hohe Persönlichkeit am Hofe Tamars, die Legende überliefert sogar, dass er ihr Geheimschreiber gewesen sei. Er hat das Epos zu ihren Ehren verfasst. Der Prolog zeugt von dieser glühenden Verehrung für die Königin.
Doch lasst uns unter blutigen Tränen Tamar, die Königin, besingen, da ich erwählt, zu ihrem Preise auserlesene Worte zu finden! Als Tusche diente mir gagatschwarzer Augen See, als schilfschlanke Feder mein Leib.
Wer immer mir lauscht, wird eine zerrissene Lanze im Herzen fühlen. Schota Rustawelis Mann im Pantherfell reiht sich so in die Reihe der Meisterwerke des Mittelalters. Und noch heute macht uns dieses Buch lachen und weinen und den Atem anhalten.
Schota Rustaweli, Der Mann im Pantherfell. Zürich, Manesse Verlag, 1991.

Von Barbara Gimelli / Katanga

Impressum
Redaktion: Anna Gimelli / Gitana, Garausch, 7028 St. Peter, ccp@scout.ch
Layout: Christoph Seitz / Polo
Freie Mitarbeiter dieser Ausgabe: Philipp Murkowsky / Sika, Annina Schneider /
Quick, Barbara Gimelli / Katanga

Quelle: CaucasusCooperationProject (pdf)

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